Tunesienaustausch die Dritte

von Hallal und singenden Tunesiern

Den von unserem Bezirk im Jahre 2000 begonnenen Austausch galt es in diesem Jahr weiterzuführen und so begab es sich, dass 30 Tunesische Pfadfinder muslimischen Glaubens den Weg nach Düsseldorf im Kauf nahmen, um mit 20 Deutschen Pfadis, Rovern und Leitern (aus den Stämmen St. Bruno, Gerrich, Hohenstaufen, Lörick, Vennhausen, Winfried und St. Josef -Grevenbroich- )14 Tage zu verleben. Nach langwieriger Vorbereitung, vielen Diskussionen über Hallal (für die die es nicht wissen, geschächtet und gesegnetes Fleisch), sowie Alkoholkonsum und viele organisatorische Dinge, war es am 21. Juli soweit und alle freuten sich auf viele interessante Tage der internationalen Begegnung.
Wir begannen mit einem Abwechslungsreichen Programm in Düsseldorf, das dem ersten Kennenlernen dienen sollte. Hierzu waren die Tunesier in Gastfamilien untergebracht, damit jeder die Chance hatte, in einer echten deutschen Familie zu leben. Tagsüber war Sightseeing angesagt und kleiner Spielchen zur Belustigung aller.
Nach den ersten netten Tagen in Düsseldorf machten wir uns dann auf den Weg nach Hauenstein im Pfälzerwald, wo wir versuchten, für eine Woche ein ganz normales, soweit es eben ging, Sommerlager zu veranstalten. Zum Programm zählten Lagerbauten, ein eintägiger Hike, Felsklettern, sowie ein Besuch der Stadt Pirmasens. Die Abende verbrachten wir Abwechselnd nach tunesischer und deutscher Tradition. Es war sehr interessant die Tunesier zu erleben, wie diese, stundenlang singend, den Abend verbrachten, nur unterbrochen von Spielen zur allgemeinen Erheiterung. Sowieso traf man selten eine größere Anzahl Tunesier, ohne dass diese klatschten, sangen oder irgendein Spiel spielten. So war es auch nicht verwunderlich, dass die Tunesier, sobald wir in den Bus stiegen, um nach Bruchsaal zum Landesjamboree mit 5500 Pfadfindern zu fahren, anfingen zu singen und nicht aufhörten, bis der Bus auf dem Zeltplatz zu stehen kam. Dann hieß es allerdings für alle Teilnehmer zuerst einmal arbeiten, damit wir am Abend auch ein Zelt über dem Kopf hatten.
Am nächsten Tag hatten wir dann die Möglichkeit, unseren Zeltplatz zu erkunden. Ganz schön groß so ein Zeltplatz für mehrere tausend Leute. In den nett gestalteten Zeltcafés hatte man die Möglichkeit andere internationale Teilnehmer, sowie die unterschiedlichen Verbände kennenzulernen. Außerdem bot sich die Chance, sein Geld, außer für Getränke, auch noch für zahlreiche Pfadfi nderartikel auszugeben, denn alle Verbände waren mit dem Sortiment ihrer Ausrüster vertreten.
Die darauffolgenden Tage nahmen wir mit allen Teilnehmern an zahlreichen Elementen des Jamboreeprogramms teil. So richteten wir unter dem Motto „Hundert Jahre, hundert gute Tagen!” eine Kunstschule wieder her, um zu zeigen, dass Pfadfinder auch heute noch mehr machen als alten Damen über die Straße zu helfen. An einem anderen Tag präsentierten sich die Tunesier in traditionellen Trachten der Öffentlichkeit. Hierzu verwandelten wir eine Jurte in ein kleines Stück vom Orient, mit Wasserpfeife, Bildern aus Tunesien und Hennamalerei. Ein großer Erfolg dieser Tag, aber wer kommt nicht vorbei, wenn 30 Tunesier tanzen, trommeln und singen?
Nach der Versprechenserneuerung, Scouting Sunrise, die überall auf der Welt zum Sonnenaufgang stattfand, verbrachten wir jeweils einen Tag in Karlsruhe und Heidelberg, wo die Tunesier die Chance hatten ausgiebig zu shoppen und wir die Zeit, uns einfach zu entspannen. Danach war unser Sommerlager auch fast schon vorbei, es fehlte nur noch der Abbau, der mit vielen fleißigen Händen recht schnell vonstatten ging.
Am Samstagmittag flogen dann die Tunesier zurück in die Heimat und uns bleiben 2 Wochen voll mit Erfahrungen im Gedächtnis. Zwar war es nicht immer ganz einfach, aber ich glaube doch, dass wir alle die Chance hatten, unseren Horizont zu erweitern und zu erleben, dass Pfadfinderei mehr ist, als der Stamm, der Bezirk oder der Bund. Wir freuen uns auf weitere Erfahrungen und die Möglichkeit, uns immer wieder neu auf fremde Kulturen einzulassen. Vielleicht in zwei Jahren irgendwo in der arabischen Welt.

David Dressel